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Nordkirche will Prozess einleiten, um Prioritäten für kirchliche Arbeit zu beraten

Nordkirche will Prozess einleiten, um Prioritäten für kirchliche Arbeit zu beraten

Lübeck-Travemünde (std). Die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) hat heute (16. November) die Kirchenleitung beauftragt, einen Prozess zum Thema „Zukunft der Kirche“ einzuleiten. Dies ist das Ergebnis der intensiven synodalen Beratungen am Vortag. Grundlage für den Prozess sollen auch die Ergebnisse sein, die von den Synodalen gestern in Arbeitsgruppen formuliert worden sind.

Bild : © Susanne Hübner, Nordkirche

Der Prozess soll eine Vergewisserung kirchlicher Kernaufgaben enthalten, wobei Prioritäten für Zielsetzungen und Handlungsfelder für die Nordkirche gesetzt sowie „sowohl binnenkirchliche als auch gesellschaftliche Anspruchsgruppen“ beteiligt werden sollen. Ein weiteres Ziel ist es, notwendige personelle und sachliche Rahmenbedingungen zu benennen sowie kirchenrechtliche Regelungen und Normen „mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit unserer Landeskirche“ zu überprüfen. Vor dem Hintergrund der im Prozess beschriebenen inhaltlichen und organisatorischen Schwerpunkte soll sich die Nordkirche grundlegend zu Fragen von Mitgliedschaft und künftigen Finanzierungsformen positionieren. Die Landessynode bittet die Kirchenleitung, „sie über die einzelnen Schritte in angemessenen Zeitabständen zu informieren, erstmals spätestens im Rahmen der Novembertagung 2020“.

Hintergrund sind die synodalen Beratungen vom Vortag zum Schwerpunktthema „Kirche im Umbruch – Projektion 2060“. In einer Anfang Mai veröffentlichten gleichnamige Studie hatte das Forschungszentrum Generationenverträge (FZG) der Albert-Ludwig-Universität Freiburg im Auftrag von Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD) und Deutscher Bischofskonferenz (DBK) eine Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung für beide Kirchen für die kommenden 40 Jahre vorgelegt. Demnach werden sich Mitgliederzahlen und finanzielle Möglichkeiten bis 2060 etwa halbiert haben. Fabian Peters, wissenschaftlicher Mitarbeiter am FZG, hatte die Synodalen in die Studie eingeführt. Sein Fazit: Die Nordkirche werde 2060 nach der Projektion „kleiner, älter und ärmer“ sein. „Aber“, so Peters, „selbst geringe Veränderungen im Tauf-, Austritts- und Aufnahmeverhalten können das Ergebnis entscheidend zum Positiven verändern. Die Studie bietet somit auch der Nordkirche zahlreiche Ansatzpunkte, die von Ihnen in Angriff genommen werden können.“

Nach ausführlicher Debatte im Plenum, theologischer Reflexion anhand eines Vortrags des Synodalen Prof. em. Dr. Hans-Martin Gutmann und Arbeit in Gruppen hatte der Synodale Frank Zabel (Dithmarschen) gemeinsam mit weiteren Synodenmitgliedern den Auftrag an die Kirchenleitung als Vorlage eingebracht: „Wir benötigen auf der Grundlage der aktuellen Erkenntnisse eine Prioritätendiskussion. Was können und was müssen wir in Zukunft noch leisten? Was benötigen wir dafür? Wovon müssen wir uns möglicherweise trennen? – Diese Fragen sind auf allen kirchlichen Ebenen zu beantworten.“

Landessynode und Kirchenleitung seien in der Pflicht, Antworten insbesondere für die landeskirchliche Ebene zu suchen, so Zabel. Der Synodale erinnerte an die ermutigenden Worte der Landesbischöfin zum Auftakt des Thementages. Darin hatte sie gesagt: „Ich halte es für sinnvoll, wenn wir uns auf dieser Synodentagung darüber verständigen, wie wir uns als Nordkirche zukünftig in eben jenem Wechselschritt aus Prognose und theologischem Verstehen, konstruktiv, gelassen aber aktiv, der Situation stellen, in die wir als Kirche nicht erst geraten, sondern in der wir bereits jetzt schon sind.“