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Kritik an den Planungen zur A26 Ost

Kritik an den Planungen zur A26 Ost

NABU Hamburg fordert die Aufgabe der Pendlerautobahn

Heute den 27. August, hat die Hamburger Wirtschaftsbehörde kurzfristig den Beginn des Erörterungstermins zur A26 Ost angesetzt. Der NABU Hamburg stellt sich entschieden gegen das geplante Autobahnvorhaben. Seine Kritikpunkte richten sich an erster Stelle gegen die Zerstörung von wichtigen Lebensräumen und damit die Vernichtung der Lebensgrundlage vieler geschützter Arten. Darüber hinaus startet die Planung bereits zu einem Zeitpunkt, an dem die Finanzierung der Köhlbrandquerung noch nicht geklärt ist. Erkenntnisse und Innovationen aus dem für Herbst angesetzten „Hafengipfel“ werden ausgeklammert. Während sich Formen der Mobilität rasend schnell entwickeln, die Digitalisierung voranschreitet, rückt parallel auch immer stärker die Klimakrise in den Fokus der breiten Gesellschaft.

Bild: Autobahnstau © Helge May

Alexander Porschke, Vorsitzender des NABU Hamburg, bewertet das Autobahnprojekt wie folgt: „Die Autobahnplanung ist ein Relikt alter Betonpolitik. Der Rückgang der Artenvielfalt und die Klimakrise sind reale, anerkannte Bedrohungen unserer Lebensgrundlagen. Auch die Fridays for Future – Bewegung mahnt ein schnelles Umdenken an. Eine neue Stadtautobahn ist ökologisch von Vorgestern und finanziell nicht vertretbar. Die Pendlerautobahn A26 Ost darf nicht gebaut werden.“

Aus Sicht des NABU Hamburg ist es beschämend, dass ein vor mehr als 40 Jahren erdachtes Projekt angesichts fundamentaler Veränderungen nicht erneut auf den Prüfstand kommt. Je länger sich Planung und Finanzierung über die Jahre hingezogen haben, desto mehr zeigt sich gegenwärtig, wie infrastrukturell unnötig das Vorhaben über die Jahre geworden ist.

Kritik an der Finanzierung der Doppelinfrastruktur

Die neue Autobahn bringt den Hamburger Senat in eine finanzielle Zwickmühle. Wie der NABU Hamburg in Gesprächen mit Bundespolitikern unterschiedlicher Parteien erfahren hat, scheint es mehr als unwahrscheinlich, dass die Bundesebene eine Doppelinfrastruktur finanzieren wird; sprich eine A26 Ost im Süden Hamburgs und zudem eine nördlich verlaufende Köhlbrandquerung. Müsste die Freie und Hansestadt Hamburg die ab 2030 zu erneuernde Köhlbrandquerung für schätzungsweise drei Milliarden Euro vollständig selbst bezahlen, würde voraussichtlich das Geld für den zügigen Ausbau des Hamburger ÖPNV fehlen. Weil durch die drohende konjunkturelle Abkühlung Spielräume perspektivisch kleiner würden, ist fraglich, ob überhaupt noch genug Mittel zur Verfügung stehen- für die U 5, die Optimierung der S 3 / S 31 Richtung Harburg, der Weiterführung der U 4 Richtung Wilhelmsburg und andere klimafreundliche Mobilitätsangebote. Durch die A26 Ost droht Hamburg die Verlagerung von Pendlerströmen von der Schiene auf die Straße, anstatt umgekehrt.

Innovationen werden bei der Planung ausgeklammert

Ob eine A26 Ost für den Hafen grundsätzlich zielführend ist, bleibt fraglich. Im Rahmen des „Hafengipfels“ will Verkehrssenator Westhagemann ab September in vier Workshops die Zukunft des Hafens mit maritimen Stakeholdern, Gewerkschaften und Umweltverbänden diskutieren. Der erste Workshop befasst sich mit der Infrastruktur im Hafen. „Dass die A26 Ost in diesem hafeninternen Dialogprozess plötzlich explizit ausgeklammert wird, ist ein Armutszeugnis und zeigt die betonlastige Haltung der Verkehrsbehörde. Es scheint, nicht ernsthaft um neue Ideen für einen zukunftsfähigen Hafen zu gehen. Ziel ist wohl eher- wie auch schon bei der Elbvertiefung – die möglichst geräuscharme Umsetzung des Alten, des Überholten, des Bekannten. Zu mehr Kreativität und Anpassungsbereitschaft reicht es- trotz einer sich rasend schnell verändernden Welt- aktuell in Politik und Verwaltung offensichtlich nicht“, sagt Malte Siegert, Leiter Umweltpolitik beim NABU Hamburg.

Eine Alternativverbindung ist möglich

Statt zwei teure Vorhaben im Norden und Süden des Hafens zu realisieren, setzt sich der NABU Hamburg für den Ausbau des Veddeler Damms, der Hauptschlagader des Hamburger Hafens, ein. Mit einem hochwertigen Anschluss im Osten an die A 252 / A 1 sowie im Westen mit einer Bohrtunnel-Querung unter dem Köhlbrandt an die A7. Das wäre finanziell vernünftig und ökologisch angebracht.