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Pferd „Captain Von Trappe“ bei Hamburger Derby getötet

Pferd „Captain Von Trappe“ bei Hamburger Derby getötet

PETA: „Missbrauch der Tiere als Sportgeräte ist verabscheuungswürdig“

Hamburg / Stuttgart, 4. Juli 2019 – Siebter Rennbahntod in diesem Jahr: Noch bis zum 7. Juli findet in Hamburg das IDEE 150. Deutsche Derby statt. Mit der Peitsche werden Pferde bei den Rennen zu unnatürlichen Höchstleistungen gezwungen, was zu einem erhöhten Sturzrisiko führt. Beim gestrigen 3600 Meter langen Seejagdrennen wurden zwei Pferde im See reiterlos. Der Wallach Captain Von Trappe galoppierte danach noch mehrere 100 Meter im Feld mit und übersprang letztlich die Begrenzung der Rennbahn. Hierbei verletzte sich der Wallach so schwer, dass er noch auf der Rennbahn eingeschläfert wurde.

Bild: Derby in Hamburg 2013 – Einsatz der Peitsche © PETA

Seit 2015 wurden hierzulande nach einer Erhebung von PETA allein bei Galopprennen mindestens 40 Pferde noch auf den Rennbahnen getötet. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen, weil die „Ausfälle“ während des Trainings nicht in die Zählung einflossen. PETA fordert die örtlichen Veterinärbehörden nun auf, die tierschutzwidrige Veranstaltung in Hamburg abzusagen. Die Tierschutzorganisation appelliert zudem an alle Tierfreunde, Pferderennen weder durch den Kauf einer Eintrittskarte noch mit einer Wette zu unterstützen.

„Es ist verabscheuungswürdig, wie die Pferde in Hamburg als Sportgeräte missbraucht werden. Für Prestige und Profit wird der Tod eines Tieres billigend in Kauf genommen“, so Jana Hoger, Fachreferentin bei PETA. „Es wird höchste Zeit, dieser skrupellosen Branche endlich einen Riegel vorzuschieben und die Tierquälerei auf deutschen Pferderennbahnen zu verbieten!“

Branche nimmt Lungenblutungen, Herzverletzungen und Magengeschwüre billigend in Kauf

Allein in diesem Jahr starben bereits mindestens sieben Pferde auf den Rennbahnen in Mannheim (2), Köln, Mülheim, Karlsruhe, Hannover und nun in Hamburg. Pferde sind Fluchttiere, die bei den Rennen gezwungen werden, Risiken einzugehen, die sie freiwillig niemals auf sich nehmen würden. Die Überlastung führt häufig zu Stürzen mit schwerwiegenden Folgen oder zu sogenannten Aortenabrissen, bei denen die Hauptschlagader des Herzens reißt und das Tier innerhalb kurzer Zeit stirbt. Experten zufolge weisen zudem 90 Prozent der bei Rennen eingesetzten Pferde aufgrund des großen psychischen Stresses Magengeschwüre auf. Darüber hinaus haben viele Tieren kurz nach einem Rennen blutige Nüstern. Doch entgegen der Aussage in den Protokollen des Direktoriums für Vollblutzucht handelt es sich hierbei laut Dr. Maximilian Pick, dem Gutachter und ehemaligen Fachtierarzt für Pferde, nicht um Nasenbluten, sondern um Blutungen aus der Lunge.

Millionengeschäft auf Kosten der Pferde

Häufig werden in der millionenschweren Branche schon zwei- oder dreijährige Pferde an den Start geschickt, obwohl sie sich noch im Wachstum befinden [2]. Da der Bewegungsapparat der jungen Tiere noch nicht vollständig ausgebildet ist, sind Sehnenschäden und Knochenbrüche keine Seltenheit. PETA weist darauf hin, dass die Tiere systembedingt überlastet werden. So sind etwa bei Galopprennen rund 80 Prozent der Trainingsausfälle auf Lahmheit zurückzuführen. „Dass Peitschenschläge und tierquälerisches Zubehör zum Alltag sogenannter Rennpferde gehören, zeigt nur einmal mehr, dass das Wohl der Tiere in der Regel keine Rolle spielt“, so Hoger.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.