HLR-Aktuell

SEXUS – KULT – FORM

SEXUS – KULT – FORM

Afrikas Skulpturen-Sprache

Die Skulpturenwelt Afrikas ist so differenziert und vielfältig wie die Ethnien, die sie hervorgebracht haben. Seit den 1930er Jahren hat Rolf Italiaander den schwarzen Kontinent immer wieder durchreist und die in dieser Ausstellung zu sehenden Exponate vor Ort gesammelt. Meist sind die Skulpturen aus Holz gefertigt, einem auf Grund des extremen Klimas nur kurzlebigem Material. In der Regel handelt es sich dabei um Kultgegenstände, die, je nach Stammesreligion, bei Tänzen und Prozessionen getragen werden, auch bei Ernte- und Bestattungsfeiern oder bei Initiationen in die Erwachsenenwelt. Oftmals werden dabei Ahnen dargestellt, da man bei ihnen Schutz sucht aber auch Erleuchtung, den eigenen Lebensweg sicher und erfolgreich zu gehen.

Bild: Sammlung Italiaander, Ausstellungsplakat SEXUS – KULT – FORM 2019 © Sammlung Italiaander

An erster Stelle steht dabei der Wunsch nach Fruchtbarkeit, nach zahlreichen Kindern, die das Alter sichern helfen. Die Überbetonung der Geschlechtsmerkmale bei weiblichen wie männlichen Figuren ist daher ebenso auffallend wie natürlich. Die Bitte um Fruchtbarkeit schließt natürlich die um Regen und gute Ernte mit ein. Die Maske und Statuen sind dabei Sinnbilder für die in kultischen Handlungen vergegenwärtigten Kräfte. Diese springen bei rituellen Handlungen vom Ausführenden auf die anwesende Gruppe über. Insbesondere gilt dies für die Träger von Masken, die im Tanz etwa metaphysische Kräfte verströmen. Böse Geister werden so gebannt, gute milde gestimmt. So ist es auch ganz selbstverständlich, dass Gegenstände des täglichen Gebrauchs mit magischer Medizin imprägniert werden, um etwaigen Dieben Schaden zuzufügen.

Bild: Männerkopf mit beißendem Tier und Schlange – bemaltes Holz – Nigeria © Sammlung Italiaander
 

Als Rolf Italiaander Afrika bereiste, waren derlei Rituale noch an der Tagesordnung. Erst durch die ignorante Rücksichtslosigkeit der meisten Kolonialherren, wurden viele Ethnien aus ihren angestammten Gebieten vertrieben und ihre endogenen Kulturen als primitiv denunziert. Heute wissen wir, dass der Formenreichtum der Afrikanischen Kunst die Moderne Europas inspirierte und sie recht eigentlich auf den Weg brachte.

Redaktion: Bernd M. Kraske

Öffnungszeiten: Mittwoch – Sonntag: 10.00 bis 17.00 Uhr

Die Ausstellung ist noch bis zum 29. September 2019 zu sehen.

SAMMLUNG ITALIAANDER – REINBEKS FORUM DER VÖLKER
Schloss Reinbek – Schloßstraße 5, 21465 Reinbek

Mehr Infos auf der neuen Internetseite: https://sammlung-italiaander.de/

Reinbeks Forum der Völker

Auf Beschluss der Reinbeker Stadtverordneten-Versammlung vom 01.11.2018 zieht das Museum Rade mit seiner bedeutenden ethnologischen Kunstsammlung des Schriftstellers und Forschungsreisenden Rolf Italiaander in das Reinbeker Schloss, erhält dort archivarischen Lagerraum für die gesamte Sammlung und wird hieraus ein- bis zweimal im Jahr Ausstellungsräume für programmatische Ausstellungen und begleitende Veranstaltungen zur Verfügung haben.
Vor diesem Hintergrund wird der bisherige Name „Museum Rade am Schloss Reinbek“ aufgegeben und durch den Begriff „Sammlung Rolf Italiaander – Reinbeks Forum der Völker“ ersetzt. Schloss Reinbek begreift sich dadurch noch stärker als wichtiger Teil des Reinbeker Kultur- und Bildungsangebots und als Begegnungsstätte zum Verständnis der Völker.