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Europäisches Kirchenleitungstreffen in Hamburg

Europäisches Kirchenleitungstreffen in Hamburg

„Europa ist ein Zukunftsprojekt“

Kirchenleitende und Delegierte aus 14 lutherischen Kirchen aus Mittel- und Westeuropa haben sich von Sonntag bis Montag in Hamburg getroffen (2.-3. Juni). Die Gäste aus fünf Ländern kamen zu der Konsultation des Lutherischen Weltbundes (LWB) für die Region Mittel- und Westeuropa und der Versammlung des DNK/LWB. Eingeladen hatten die LWB-Vizepräsidentin für die Region, die Hamburger Pröpstin und Hauptpastorin Astrid Kleist, und das Deutsche Nationalkomitee des LWB (DNK/LWB). „Europa ist ein Zukunftsprojekt, das vom Austausch lebt, auch unter den Kirchen“, betonte Kleist. „Der Lutherische Weltbund hat nach dem Zweiten Weltkrieg geholfen, dass sich Kirchen aus verfeindeten Nationen wieder als Schwesterkirchen verstehen, gerade hier in Europa.

Bild: LOGO Lutherischer Weltbund – Deutsches Nationalkomitee © LWB

Auch heute helfen uns persönliche Begegnungen wie hier in Hamburg, dass wir einander zuhören und miteinander im Gespräch sind. Das stärkt unsere Gemeinschaft jenseits der nationalen und kulturellen Kleinstaaterei, was heute ebenso wichtig ist wie nach 1945“, unterstrich die LWB-Vizepräsidentin.

Bei dem Treffen wurden vor allem Themen beraten, die alle europäische LWB-Kirchen betreffen. Der LWB-Generalsekretär, Pfarrer Dr. h.c. Dr. h.c. Martin Junge, stellte aktuelle Themen im LWB vor, die auf der anstehenden Ratstagung des LWB diskutiert werden. Ab dem 13. Juni wird der Rat unter anderem Entscheidungen zu dem Austragungsort der nächsten LWB-Vollversammlung 2023, der Struktur des Büros der Kirchengemeinschaft sowie über einen möglichen Umzug des LWB treffen. Außerdem kündigte Junge eine Liturgie zum 20. Jubiläum der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre an, die für Gemeindegottesdienste am 31. Oktober 2019 bereitgestellt werden wird. Neben dem allgemeinen Austausch unter den Kirchen wurden in Hamburg insbesondere Initiativen vorgestellt, wie Kirchen in Europa auf die zunehmende Säkularisierung reagieren oder ihre diakonische Arbeit profilieren können. Zum Abschluss des Treffens tagte Montagnachmittag die Versammlung des DNK/LWB.

Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July, Vorsitzender des DNK/LWB, zog aus Hamburg folgendes Fazit: „Es ist sehr wichtig, dass wir uns regelmäßig in der Region Mittel- und Westeuropa treffen. Themen und Herausforderungen innerhalb der Kirchen sind ähnlich. Gerade die aktuellen Entwicklungen in Europa – mit den nationalistischen Fliehkräften – fordern uns auf, als Kirchen ein Gegenbild dazu zu sein. Aber auch Anliegen und Positionen im Lutherischen Weltbund sind verwandt. So kurz vor der Ratstagung ist es gut, sich darüber auszutauschen. Als deutsche Mitgliedskirchen sind wir mit Abstand die größte Gruppe in der Region. Daher wollen wir bewusst auch ‚hörende Kirche‘ sein.“

Bei dem Treffen waren zehn der elf deutschen Mitgliedskirchen des LWB vertreten. Aus dem Ausland kamen Kirchenleitende aus Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Italien und den Niederlanden. Die Anwesenden vertraten über 13 Millionen Christinnen und Christen. Die Region Mittel- und Westeuropa ist eine von sieben Regionen des LWB. Sie umfasst insgesamt 19 Kirchen in 8 Ländern und knapp 14 Millionen Mitglieder.

Der LWB ist die größte lutherische Kirchengemeinschaft weltweit. Er umfasst über 75 Millionen Gläubige in 148 Mitgliedskirchen aus 99 Ländern. Aus Deutschland sind elf Kirchen Mitglied im LWB: die Landeskirchen Bayern, Braunschweig, Hannover, Mitteldeutschland, Norddeutschland, Oldenburg, Sachsen, Schaumburg-Lippe und Württemberg sowie die Evangelisch-Lutherische Kirche in Baden und die Lutherische Klasse der Lippischen Landeskirche.