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4Fakultät feiert ihr 10. Jubiläum

4Fakultät feiert ihr 10. Jubiläum
Die Konzertreihe für stilübergreifende Improvisation

4fakultät – Die Konzertreihe für stilübergreifende Improvisation feiert ihr 10. Jubiläum am Samstag, den 24. November, 21 Uhr im Künstlerhaus Faktor

4fakultät steht für stilübergreifende Improvisation und bringt drei bis vier Mal im Jahr Künstler*innen unterschiedlicher Genres zusammen. Das Spielprinzip folgt einer mathematischen Formel: Die Zahlen Eins bis Vier werden in einer Reihe miteinander multipliziert. Diese Kombinatorik überträgt 4fakultät auf eine Konzertbühne. Vier Protagonisten aus vier eigenständigen Genres treffen zum ersten Mal aufeinander. In rotierender Reihenfolge spielen sie in kurzen Sets ihr eigenes Konzert und improvisieren gemeinsam von Set zu Set. Keine Umbaupausen. Keine getrennten Bühnen. Ein Dialog der Stile!

Bild: Simon Roessler, Konstantin Bessonov, Mark Matthes (v.l.n.r.) © n.a.

Zur Jubiläumsausgabe sind erneut hochkarätige Musiker*innen interdisziplinärer Musikstile eingeladen:
Die Moskauer Experimentalmusikerin Kate NV verbindet zeitgenössische, elektronische Avantgarde mit digitaler Popmusik. Ihr aktuelles Album „FOR“ wird international als eine der wichtigsten Neuerscheinungen des Jahres 2018 gefeiert.JBXDR beeindruckt als Jazz-Schlagzeuger durch einen höchst eigenwilligen und unterhaltsamen Solo-Performance-Stil. Das dänisch-estnisch-schwedische Trio Shitney besteht aus drei preisgekrönten Jazz-Solistinnen und Komponistinnen. Ihre Mischung aus hyperaktivem Jazz und mitreißendem Electro-Pop klingt wie ein Seitenhieb auf alle maskulin-muskelbepackte Gesten des zeitgenössischen Freejazz. A.K. Klosowski, der u.a. mit Pyrolator arbeitete, überrascht mit seinem gespenstischen Lo-Fi-Tape-Sound aus obskuren Klangfetzen, die er rhythmisch arrangiert. Der Experimentiergeist der frühen 80er ist bei ihm klar zu hören und wirkt dabei wie eine zeitgemäße Reaktion auf den heutigen Digitalismus.

Bild: Moskauer Experimentalmusikerin Kate NV © Press_Picture_Kate_NV_2

Ein Jubiläum ist jedoch nicht nur Anlass zum Feiern, sondern auch ein Moment zum innehalten, zum zurück schauen und ebenso zum nach vorne blicken. Was sagen die Veranstalter Konstantin Bessonov, Simon Roessler, Mark Matthes nach 10 stilübergreifenden Konzerten?

Vom 1. bis zum 10. Konzert: Was hat sich verändert?

Das Publikum bestand am Anfang hauptsächlich aus der experimentellen Musikszene und setzt sich nun aus vielen verschiedenen Kreisen zusammen. Auch weil die Musiker*Innen international eingeladen werden können, ist die Überraschung und Neugierde zu spüren. Insgesamt ist alles im Detail verbessert und verfeinert worden, aber die Grundidee hat sich seit dem ersten Konzert bewährt. Darauf sind wir stolz!

Was waren eure persönlichen Highlights?

Abgesehen von den ersten zwei faszinierenden Konzerten, die unsere Motivation geweckt haben, 4fakultät intensiv weiterzuführen und zu entwickeln, gab es immer wieder Momente, in denen das Zusammenspiel außergewöhnlich war. Durch glückliche Missverständnisse spielten zum Beispiel Jennifer Bennett (bass und Stimme) und Jawad Salkhordeh (persische Tonbak und Daf) einen besonders langen Übergang und der Schlagzeuger Dirk Dhonau nutzte die Gelegenheit und kam dazu.

Welche Rolle spielt Improvisation?

Im Leben? Eine zentrale Rolle: Aufstehen, welche Klamotten improvisieren, Frühstück improvisieren, Fahrrad-Reparatur improvisieren, Termin-wegen-Zuspätkommen-Verschieben improvisieren… Ach so, in der Musik: Musik ist und war eigentlich immer schon improvisiert, zusammen gemacht, frei. Noten und Kompositionen sind auch interessant, aber das Herz der Musik, der Dreiklang aus Sound Rhythmus und Harmonie, schlägt lebendiger, wenn gute Musiker*innen JETZT etwas erfinden, und Mensch ihnen dabei zuhören kann.

Welche Visionen habt ihr für die nächsten Ausgaben?

Noch ungewöhnlichere Acts in Kombination präsentieren, mehr Gäste aus dem Ausland, auch „Musiken“, die nicht auf Instrumenten gespielt werden.

Regional oder international – was ist wichtiger?

Beides ist gleich wichtig! Gerade ungewöhnliche internationale Acts, die nicht einen erwarteten „Heimatstil“ vertreten, und bisher „un-erhörte“ Stimmen aus dem Dickicht vor der eigenen Haustür können so wichtig und gut sein! Und aus internationaler Perspektive sind ja auch fantastische, regionale Nachwuchs-Künstler*innen irgendwann relevant. Hoffentlich!

Zukunft des Faktors e.v. im Hinblick auf die Sanierung der Schanzenbrücke?

Das nächste Jahr ist uns sicher, allerdings wird die Sanierung irgendwann kommen. Die Sternbrücke wird hoffentlich denkmalgerecht saniert und nach dem Umbau bleibt die Umgebung der Sternbrücken-Kreuzung ein kreativer, unbequemer und freier Kultur-Hotspot. Ohne, dass nun alle Aufkleber an dem Wänden von Restauratorinnen rekonstruiert werden müssen, aber auch nicht ein als eingehegter, sauberer und berechenbarer Kommerzbetrieb.

Wie bereichert ihr die Musikszene in Hamburg?

Mit Musik, die sich nicht selber schon die Grenzen setzt, mit neuen Kombinationen, mit Improvisationen über Genre- und Szene-Grenzen hinweg, und einem großen Stück Wagemut!

4fakultät #10

24. November 2018, 21 Uhr / 20 Uhr (Einlass)

Ort: Künstlerhaus FAKTOR | Max-Brauer-Allee 229, 22769

Mehr Infos zum Eintritt im Web: https://4fakultaet.de/

4fakultät wird gefördert von: Musikfonds, Der Beauftragte der Bundesregierung für Musik und Medien, Hamburgischen Kulturstiftung

Redaktion Silke Kaufmann