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Horst Dietrich (1935-2014) und die „FABRIK“

Horst Dietrich (1935-2014) und die „FABRIK“
Ein nostalgischer Rückblick von Jost Münster

Der Tod von Horst Dietrich, dem Gründer unserer FABRIK in Hamburg und die eingehende Würdigung seiner Verdienste für die Hamburger Kulturszene im Hamburger Abendblatt und der Welt am Sonntag haben bei mir viele Einzelheiten an die Zusammenarbeit mit ihm insbesondere aus der Gründerzeit, wieder in Erinnerung gebracht.

Wir – die Old Merry Tale Jazzband – suchten damals, im Jahr 1971 dringend eine Spielstätte für unsere Band , in der man auch eine größere Menge von Besuchern unterbringen konnte, so wie es früher im „Winterhuder Fährhaus“, in der „Johannisburg“ in Blankenese oder dem „New Orleans“ auf St. Pauli möglich war.

Bild: Horst Dietrich und sein Lebenswerk – das Veranstaltungszentrum „FABRIK“ in Hamburg-Ottensen © FABRIK“ in Hamburg-Ottensen

Wer mir empfohlen hat, mich mit Horst Dietrich in Verbindung zu setzen, weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall war gleich das erste Treffen mit ihm ein voller Erfolg. Obwohl wir vom Typ her und von unseren Berufen (er Kunstmaler – ich Steuerberater) recht unterschiedlicher Natur waren, gab es doch auch gleich viele Punkte der Übereinstimmung für eine Zusammenarbeit: „Wir müssen die Bude vollmachen“ und alle Fans motivieren, dort regelmäßig zu erscheinen. Die Eintrittsgelder werden nach einem festen Schlüssel aufgeteilt, so dass der Erfolg beiden Parteien zu Gute kommt.

Das gemeinsame Vorhaben wurde überraschend schnell in die Tat umgesetzt und war von Anbeginn an ein Riesenerfolg.

Jeden 1. Freitag im Monat konnten wir mehr als 1800 Besucher begrüßen, unser Rekordergebnis waren 1995 Besucher. Die FABRIK wurde sensationell innerhalb kurzer Zeit in Hamburg und Umgebung als alternatives Kulturzentrum bekannt und berühmt. Schon bald bewarben sich viele Musiker, auch internationale Stars, um dort auftreten zu können .

Was ich von Anfang an bei Horst bewundert habe war, mit welcher Intensität und Hingabe er alle die neuen Aufgaben bewältigt hat, die bei diesem gewaltigen Projekt auf ihn zu kamen. Neben der Planung und Organisation der Veranstaltungen, Werbung und Pressearbeit musste er sich mit Fragen der Gastronomie und der sozialen Gestaltung der Kinderbetreuung und vielen anderen Dingen beschäftigen. Dazu ließ er sich zunächst beraten, traf dann seine Entscheidungen und motivierte seine Mitarbeiter, diese konsequent umzusetzen.

Am 5. Januar 1973 machten wir die Aufnahmen zu unserer LP „Die schlechteste Kapelle der Welt Life in der FABRIK“ (siehe Titelbild). Den Text dazu schrieb Werner Burkhardt. Darin würdigte er die Erfolge und insbesondere das sozialpädagogische Engagement der Institution.

Als die FABRIK in der Nacht zum 11. Februar 1977 durch Brandstiftung in Schutt und Asche gelegt wurde, dachten wir zunächst, die stolze Serie der ersten 6 Jahre sei endgültig zerstört. Das geplante Gastspiel von Dick Cary zum 4. bis 6. März hatten wir schon abgesagt, als es Horst und seinen Mitarbeitern gelang, ein riesiges Festzelt aufzutreiben, das als Überbrückung bis zum Wiederaufbau dienen sollte .In diesem Zelt wurde nun die Musik von 2 Langspielplatten aufgenommen.

Bild: Fabrik in Hamburg-Ottensen © Fabrik

Während es draußen mit bis zu 9 Windstärken stürmte und stark regnete, verzauberte unser berühmter Gast das Publikum mit seiner Musik und brachte uns alle in eine sagenhafte Spiellaune. Die Aufnahmen gehören zu den besten unserer Bandgeschichte.

Die FABRIK wurde auch mit finanzieller Unterstützung der Stadt wieder aufgebaut. Wir konnten damit unsere Zusammenarbeit über viele Jahre bis heute fortsetzen. Neben unseren regelmäßigen Auftritten haben wir dort das 20-jährige Jubiläum der Band, meinen 50. Geburtstag und am 25. Mai 2010 die „25 jährige Scheidung“ der heutigen zwei Merrytales gefeiert. Jetzt freuen wir uns auf den nächsten Weihnachtsfrühschoppen dort.

Immer, wenn man in die FABRIK kommt, trifft man unter den Mitarbeitern auf zahlreiche bekannte Gesichter. Viele von Ihnen sind seit Jahrzehnten, einige sogar seit der Gründerzeit dort tätig.

Immer wieder spüre ich das Engagement und die Begeisterung , mit der sie der Gründer für das Mitwirken am Hamburger Kulturleben offenbar angesteckt hat. Damit hat sich Horst Dietrich nicht nur mit dem imposanten Bauwerk der FABRIK ein Denkmal gesetzt!