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Wolfram Knauers „Duke Ellington“ – Ein bemerkenswertes Buch

Wolfram Knauers „Duke Ellington“ – Ein bemerkenswertes Buch

Wie schon bei den Büchern über Louis Armstrong und Charlie Parker, beide vom Chef des Jazzinstituts Darmstadt, Wolfram Knauer, geschrieben, (siehe die Rezensionen im „Swinging Hamburg Journal“ Nr. 33 und Nr. 56) stellt sich dem Jazzfreund auch vor Kauf seines neuen Buches, knapp betitelt mit „Duke Ellington“, zuerst die Frage: „Was könnte ich nun noch Neues erfahren nach etlichen durchaus informativen Büchern und Artikeln über den Duke?“. Bei mir sind es im Regal sieben Buchausgaben einschließlich Ellingtons Autobiografie und einer Tag-für-Tag-Dokumentation.

Doch wie bei den eingangs genannten Knauer-Monographien ging es mir auch bei diesem Buch über Edward Kennedy Ellington (1899-1974): Zur Rezensions-Grundlage schnell mal durchgeblättert, in interessant erscheinende Parts reingelesen (man ist ja versiert genug, um auch danach einige beschreibende, lobende oder kritische Sätze für eine Besprechung zu formulieren), doch dann stürzt man ab und vertieft und verliert sich in einer brillant und wie musikalisch dargestellten Lebens­beschreibung einer Jazzgröße, von der man meinte alles zu wissen und die man ohnehin schon der allerersten Riege der Klassik des 20. Jahrhunderts zugeordnet hatte.

Und mit einem Mal versteht, begreift man mehr, auch mit Hilfe einiger Schallplattenhinweise sowie Nachhören, wodurch dieser Jazzgigant aus Washington D.C. zu einer so herausragenden und erfolgreichen Persönlichkeit des Jazz wurde und was sein Werk ausmacht. Das geschieht bei Knauer, wie schon besonders deutlich im Armstrong-Buch, auch hier wiederum nicht durch musiktheoretische Satz­bausteine, auch nicht durch einen rein dokumentarisch dargestellten Lebenslauf, sondern mit der Schilderung von warmherzig erkennendem Hineinhören und -denken in die Biografie und die Musik Ellingtons. Knauers besondere, ja fast swingende Fachprosa nimmt den Leser gefangen, packt ihn und führt ihn hin zu einem Künstler, der in Musik lebte und von sich sagte, er spiele nicht Klavier sondern Orchester.

Fazit: Endlich wieder ein überraschend spannendes, zudem vergnügliches Jazzbuch, das keine umfassende Nur-Biografie enthält, wohl aber ein Künstlerleben aus seinem prägenden historischen Umfeld mit der vielfach ja allbekannten Musik anschaulich schildert.

In diesem Buch wird ein Musiker „sichtbar“, der wie wohl kaum ein anderer Entertainment mit perfekter Kunst zu verbinden verstand – eben „der Duke“.

Wolfram Knauer „Duke Ellington“, Reclam-Verlag Stuttgart, 2017; 328 Seiten, 56 Abb.
ISBN: 978-3-15-011127-7; 29,00 €

Rezension: Gerhard Klußmeier

Bild: Buchcover Duke Ellington © Reclam-Verlag Stuttgart