HLR-Aktuell

Cleo Steinberger – eine vielfach ausgezeichnete Hamburger Sängerin – wird von den Pressemedien der Stadt ganz bewusst ignoriert.

Cleo Steinberger – eine vielfach ausgezeichnete Hamburger Sängerin – wird von den Pressemedien der Stadt ganz bewusst ignoriert.

Beim „Jugend Jazzt“ Wettbewerb Hamburg gewann Cleo Steinberger 2014 den 1. Preis, wie auch den Ingolf-Burkhardt-Award für herausragende solistische Beiträge. Neben Konzerten in Deutschland trat sie in New Orleans in verschiedenen Clubs, beim French Quarter Festival sowie als erste deutsche Sängerin bei der Eröffnungsgala des Jazz and Heritage Festivals auf. Und sie begeisterte 2018 beim hochrangig besetzten internationalen Jazz-Festival in Ascona (Schweiz).

Im August 2017 veröffentlichte Cleo ihr Debüt-Album „Let them Talk“ mit dem Jan Luley Trio, das noch im selben Jahr mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde.

Vergeblich sucht man in der Hamburger Presse – Hamburger Abendblatt, WELT, Hamburger Morgenpost – eine Erwähnung oder einen Bericht über diese herausragende Jazzinterpretin und inoffizielle Musikbotschafterin der Hansestadt – sie wird schlichtweg und wohl auch bewusst ignoriert.

Man mag die Gründe in der Arroganz der Redaktionen sehen, was bei einer großen Zeitung nicht nur und seit Jahren vermutet wird – denn schon legendär ist der Satz eines Abendblatt-Redakteurs „Diese Musik fällt bei uns durchs Rost“, und das immer dann, zeigt sich auch nur ein Titel, Ton oder Takt bei einer Musik, der sich in eine Verbindung mit klassischem Jazz bringen lässt.

Es wird, was keine Fehleinschätzung mehr ist, in ganz großem Maß übersteigerte Arroganz der für Musik zuständigen Journalisten der Grund dafür sein. Doch trifft das den Kern wohl nur zum Teil. Hauptursache ist sicherlich, dass es schlichtweg keine Musikkritiker gibt, die wie einst z.B. Werner Burkhardt (1928-2008), überhaupt in der Lage sind, Jazz klassischer Art fundiert beurteilen zu können.

Kurzum: Da es offensichtlich keinen Redakteur mit auch nur rudimentären Kenntnissen von dieser lebendigen und einflussreichen Musiksparte gibt, erscheinen in den Blättern weder Konzert-Ankündigungen noch -Rezensionen und es werden Jazz-CDs oder –Bücher dazu in der (Hamburger) Presse nicht erwähnt, sondern grundsätzlich und konsequent ignoriert. Wie jetzt aktuell die Hamburger Sängerin und Musikerin Cleo Steinberger.

Das muss man beklagen und hart kritisieren, abzuhelfen ist dem wohl kaum, denn die Verlage – es wurde angeboten! – lehnen grundsätzlich Text-Beiträge von Kennern dazu ab.

Bad Hersfeld, eine hessische Kleinstadt mit nur 29.615 Einwohnern, unterstützt nicht nur ein Jazz-Festival mit selbstverständlich auch klassischem Jazz. Es gibt dort auch eine Lokalzeitung, die „Hersfelder Zeitung“ (Auflage: 12.709 verkaufte Exemplare), welche die Redaktions-Ohren offenhielt für die Hamburger Künstlerin.

Diese Zeitung schrieb am 1. Juni 2018: „Bei ihrem ersten Auftritt beim Jazz-Festival begeisterte sie mit samtiger und enorm variabler Stimme und großer Natürlichkeit. Selbstvergessen trug sie, gemeinsam mit dem meisterhaft aufspielenden Gitarristen David Grabowski, Songs der Jazzlegenden Ella Fitzgerald und Joe Pass vor. Gefühlvolle Balladen aber auch zweideutig Anrüchiges, Liebeslieder und Philosophisches. Ihre Stimme nutzt Cleo nicht nur zum Singen, sie produziert damit eine Fülle von Tönen, imitiert den Regen und ein ganzes Orchester. Ein gelungener Abend im genussreichen Wechsel von köstlichen Speisen und verzaubernder Musik – ein wenig New Orleans in Bad Hersfeld.“

Wahrlich schäbig dagegen, wie man in ihrer Heimatstadt mit dieser inzwischen international renommierten Künstlerin umgeht. (Gerhard Klußmeier)

Bild : © Luleymusic