HLR-Aktuell

Cleo. Let Them Talk – von Gerhard Klußmeier

Ein CD-Debut – Visitenkarte einer vielseitigen Hamburger Sängerin

 

Cleo. Let Them Talk (Luleymusic LMR02017). Diese neue CD bestätigt die Feststellung des Rezensenten, dass sich in der Jazzszene (nicht nur Deutschlands) auch junge talentierte Jazzkünstler nicht mehr, wie noch vor einigen Jahren (und meist ergebnislos) sogenannte neue Jazzwege oder „Stile“, noch nie so gespielte Klänge oder Rhythmen suchen, sich diesem Immer-weiter-immer-anders-Zwang also nicht mehr unterwerfen, sondern nur gute Musik machen. Denn nach dem sogenannten Free-Jazz ist nichts mehr entstanden, was sich in irgendeiner Weise als „Jazz-Stil“ bezeichnen lässt – der Jazz ist zweifelsfrei längst am Ende seiner Entwicklung angelangt.

 

Und so, um auf diese CD zukommen, macht sich auch die junge Hamburger Sängerin Cleo (Steinberger) fast die gesamte swingende Bandbreite dieser Jahrhundertmusik zu eigen, ohne sich eingeengt auf eine Spielart, eine „Richtung“ festzulegen. Und sie swingt nicht nur mit herrlich unangestrengter, somit natürlicher Stimme, sondern auch mit großer Vielfalt durch das unendlich weite Repertoire der Themen, sodass einem als Musikfreund – wie es oft ja der Fall ist – nie der Gedanke aufkommt, nun doch bitte mal was anderes hören zu wollen. Und da zeigt schon ein Blick auf die Titelliste, dass Cleo, die längere Zeit in New Orleans lebte, sich keinen Zwängen und keinem „so sein Wollen wie“ unterwirft, sondern sich selbst offenbart und dabei eine erstaunliche und gekonnt dargebrachte Auswahl ihres Repertoirs vorlegt, das einfach Freude macht und zum (immer) wieder hören einlädt. Wie anders könnte es auch sein, wenn hier Titel zu nennen sind von „Bourbon Street Parade“ über „It Had to Be You“ und „Basin Street Blues“ hin zu Cole Porters „Love For Sale“. Jan Luley (p), Lindy Huppertsberg (b), Tobis Schirmer (dr) sowie Rick Trolsen und Joe Wulf (tb) erweisen sich als einfühlsame, manchmal aus der Jazzhistorie zitierende, Begleiter der Sängerin, die auch die Geige  gekonnt swingen lässt. „Let Them Talk“, den CD-Namen, deute ich mit „Lass sie doch reden, die Puristen“. Die CD wurde mit dem Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. (Gerhard Klußmeier)

Bild : © Luleymusic